Geburtsverletzungen: Vorbeugung und Wundheilung
Im letzten Beitrag haben wir dir erklärt, welche Arten von Geburtsverletzungen es gibt. Du kannst tatsächlich nicht immer beeinflussen, ob du bei der Geburt Verletzungen davon trägst. Es gibt aber einiges was du tun kannst, um das Risiko von Geburtsverletzungen zu reduzieren. Das liegt zum einen an dir, aber auch deine Hebamme trägt ihren Teil dazu bei, dich vor Verletzungen zu schützen. Was kannst du also tun?
Vor der Geburt
Wie kann ich Verletzungen vorbeugen? Eine bewährte und verifizierte Methode ist die Dammmassage. Sie soll auf der einen Seite dafür sorgen, dass dein Damm weicher wird, aber eben auch, dass Frauen ein Gespür für diesen intimen Bereich bekommen. Du bist nicht allein, wenn du Berührungsängste mit diesem Bereich hast. Versuch es einfach mal. Dabei solltest du es dir gemütlich machen und dich an einem vertrauten Ort aufhalten. Im Liegen geht´s meist einfacher, weil du dein Becken dann so richtig entspannen kannst. Ein schönes Öl hilft bei der Massage und macht das Gewebe geschmeidiger. Wir empfehlen entweder ein reines Mandelöl zur Dammmassage oder das tolle Skin & Scar Oil von Bare Mum. Ein super Video zur Dammmassage gibt es von Lillydoo.
Wer sich mit der Dammmassage nicht anfreunden kann, kann es auch mit Heublumenbäder versuchen. Dafür Heublumen (z.B. diese) in eine Schüssel geben, mit heißem Wasser aufgießen und sich mit etwas Abstand über die Schüssel setzen/knien. Der Heublumendampf soll das Dammgewebe weicher machen. Achtung aber vor zu heißem Wasserdampf. Mit dieser Methode kannst du 2-3 Wochen vor ET beginnen. Himbeerblättertee ist ein altbewährter Hebammen-Tipp, dabei aber unbedingt an die Verzehrempfehlung halten. Etwas sanfter als reiner Himbeerblättertee ist dieser Kräutertee für die Wochen vor der Geburt. Dann gibt es noch die Möglichkeit, mit einem Geburts/Beckenbodentrainer (zB. EPI-NO oder Aniball) die Muskulatur und das Gewebe zu dehnen und so auf die Geburt vorzubereiten. Diese Methode erzielt spannende Ergebnisse, ist aber aufwendig und nicht nach jedermanns Geschmack. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist, wie gut du in Form bist. Eine gute Ausdauer und Flexibilität geben dir die Power, dich unter der Geburt viel zu bewegen. Eine gute Durchblutung des Gewebes, mehr Muskelmasse und weniger Fettgewebe reduzieren nachweislich das Risiko größerer Geburtsverletzungen und eine gute Kontrolle über den Beckenboden hilft bei der Austreibungsphase gezielt zu pressen, aber auch entspannen.
Während der Geburt
Die Geburtsposition kann ein wichtiger Faktor dafür sein, das Risiko für Geburtsverletzungen zu senken. Mit deiner Position verändert sich auch die Belastung auf deinen Damm. In der Rückenlage zum Beispiel ist der Druck auf den Damm am höchsten, im Vierfüßlerstand oder in der Seitenlage deutlich geringer. Bitte deine Hebamme dich anzuleiten, sie weis am besten welche Position zu welcher Phase der Geburt sowie deiner individuellen Situation passt. Die meisten Verletzungen passieren in der Austrittsphase sowie beim Durchtritt des Köpfchens. In diesem entscheidenden Moment kann oder wird deine Hebamme versuchen, deinen Damm so gut es geht zu schützen und dich vor größeren Verletzungen zu bewahren. Dabei geht es vor allem darum, wieviel Zeit dein Baby noch hat, wenn es mal am Damm angekommen ist! Jede Hebamme hat hier ihr ganz individuelles Dammschutzritual. Das kann von Dammmassage unter der Geburt, Akupunktur am Damm oder warmen, feuchten Tüchern mit Kaffee ganz vieles sein. Was du aber als Frau in deinen Geburtsplan mit aufnehmen kannst ist, dass du wenn irgendwie möglich eine Dammschnitt vermeiden möchtest und der Kopf deines Babys beim Durchtritt gebremst werden soll. Denn darauf, sagt Julia, kommt es an. Den Kopf zu führen, den Druck zu verteilen und somit die Mama zu schützen.
Nach der Geburt
Sollte es jetzt doch zu kleineren oder größeren Verletzungen gekommen sein, musst du keine Angst haben. Die Schmerzen sind meist von kurzer Dauer und du kannst tatsächlich einiges tun, um die Wundheilung zu unterstützen. Viele Frauen fühlen sich nach der Geburt wund und geschwollen, auch wenn sie keine sichtbaren Geburtsverletzungen davongetragen haben. Keine Sorge, das geht schnell vorüber. Auch schon kleinste Verletzungen können schmerzhaft sein, in der Regel klingen die Schmerzen aber nach einigen Tagen ab.
Es gibt ein paar Dinge die du ganz aktiv tun kannst, um die Wundheilung zu unterstützen.
- Viel viel Luft an die Wunde lassen
- Wunde immer gut spülen (präzise und gründlich mit unserer Intimdusche) und darauf achten, dass sie sauber bleibt. Gut trocken tupfen. Wir empfehlen erstmal klares, lauwarmes oder kaltes Wasser, je nach dem was dir gut tut. Du kannst aber auch ein paar Tropfen Calendula Essenz (zB. Weleda) oder etwas Sitzbad zum Wasser geben, die Zugabe wirkt antibakteriell und abschwellend.
- Ruhe: am besten viel liegen (nach einigen Stunden dann ehr stehen als sitzen), sitzen erstmal vermeiden um die Wunde zu entlasten. Schneidersitz die ersten Tage vermeiden, um keinen Zug auf die Naht/Wunde zu bringen. Achte auch beim Stillen auf deine Position.
- Recovery Sprays benutzen. So musst du deine Wunden nicht anfassen und unterstützt trotzdem sanft die Wundheilungsprozesse. Wir empfehlen entweder das Recovery Spray von the weeks, das Recover Spray von Into Life oder das Rose-Teebaum Hydrolat von der Bahnhofapotheke.
- Die Wunden kühlen. Eisbinden/Eiskondome (oder nicht zu kalte Kompressen) lindern die Schmerzen und wirken abschwellend, leider verlangsamen sie auch die Wundheilung. Deshalb nur 1-2 Tage nach der Geburt Kälte anwenden. Die Anleitung für die Herstellung von Eisblasen und Eisbinden findest du hier. Achte darauf, dass weder Eisbinde noch Eisblase zu kalt sind, sonst kann es zu Kälteverbrennungen kommen.
- Vorlagen aus Bio-Baumwolle benutzen, Plastik in den Einlagen vermeiden, auf Atmungsaktivität achten. Bei guten Einlagen (z.B die von theweeks) ist euer Geld wirklich gut investiert.
- Beim Stuhlgang nicht zu stark pressen und auf ballaststoffreiche Ernährung sowie viel Flüssigkeit setzen, um Verstopfungen zu vermeiden. Eventuell den After mit einem sanften Öl vor den Stuhlgang einreiben oder mit einem lauwarmen Waschlappen den Damm beim Pressen schützen. Ein Toilettenhocker hilft die Haltung auf der Toilette zu verbessern.
Störende Nahtfäden
Manchmal kann auch die Naht mehr Schmerzen verursachen als die Wunde an sich. Etwa wenn mit zu viel Spannung genäht wurde oder die Fadenenden/Knoten stören. Das kann die Kaiserschnittnarbe aber auch alle anderen Narben im Intimbereich betreffen. Informiere deine Hebamme oder Arzt:in, diese können die Naht bei guter Wundheilung früher entfernen.
Wundpflege
Achte darauf, dass die Wunden immer sauber und trocken sind. Präzise und einfach reinigen kannst du deinen Intimbereich mit einer Intimdusche. In der Regel hilft klares Wasser, zusätzlich haben Calendula Essenz oder ein Sitzbad in der Intimdusche oder Recovery Spray auf der Eisbinden einen wundheilenden Effekt. Ein paar Tage nach der Geburt kannst du zur Beinwellsalbe greifen (hier erhältlich). Diese in einer dünnen Schicht auf die Wunden geben und an der Luft trocknen lassen. Wir können uns im Alltag als Hebammen und Mütterpflegerin unseren Softlaser nicht mehr wegdenken. Das Licht eines Soflasers unterstützt die Wundheilung und kann im Intimbereich, für Kaisernittnarben und auch bei wunden Brustwarzen/Milchstau genutzt werden. Einen Soflaser kannst du dir auch kostengünstig ausleihen, wenn deine Hebamme keinen eigenen Laser besitzt.
Wenn die Fäden deiner Kaiserschnittnarbe gezogen sind kannst du mit der Narbenpflege beginnen. Dazu einfaches Narbenöl, Beinwellsalbe oder Johanniskrautöl sanft in die Narbe massieren, etwas Recovery Spray aufsprühen und gut an der Luft trocken lassen. Auch Yoni Steaming, Kamille oder Tannolact können Linderung verschaffen und zur Wundheilung beitragen. Sie sind allerdings etwas aufwändiger und du brauchst dazu ein paar ruhige Minuten.
Schmerzen
Du musst nach der Geburt keine Schmerzen aushalten. Du darfst und sollst Schmerzmittel nehmen. Empfohlen wird hier Ibuprofen oder Paracetamol, weil diese Stillverträglich sind und kaum nachweislich in die Muttermilch übergehen. Besprich die Dosierung mit deiner Hebamme, Apotheker:in oder Arzt:in und beachte die Angaben in der Packungsbeilage.
Ihr seht, es gibt vieles was ihr tun könnt und es gibt bestimmt noch so viel mehr. Wir hoffen sehr, dass du von größeren Verletzungen verschont bleibst. Aber denke auch dann immer daran, dass diese Schmerzen in der Regel von kurzer Dauer sind. Du schaffst das, Mama.
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